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Wiege der WBS 70
Abseits der fünf größten Ballungsräume darf Neubrandenburg nicht unerwähnt bleiben. Die Stadt ist die „Wiege der WBS 70“ – hier stand das erste spezialisierte Plattenwerk, und im April 1973 wurde in der dortigen Kosmonautenstraße der allererste WBS 70-Block der Welt montiert. Ebenfalls stark geprägt durch diesen Typ sind Städte wie Rostock (Groß Klein, Lichtenhagen), Magdeburg (Neu Olvenstedt), Cottbus (Sachsendorf) und Schwerin (Großer Dreesch).
Eine detaillierte visuelle Dokumentation der Entstehung und Dimensionen des größten dieser Projekte bietet das Video Footprints: Marzahn – Die größte Plattenbausiedlung Europas. Es veranschaulicht eindrucksvoll den massiven städtebaulichen Wandel des Berliner Bezirks von den staubigen Rieselfeldern der 1970er Jahre bis hin zum heutigen, stark durchgrünten und modernisierten Wohngebiet.

Die Entstehung gigantischer Großsiedlungen auf der „grünen Wiese“ (wie Berlin-Marzahn oder Leipzig-Grünau) war das Ergebnis einer radikalen ökonomischen und politischen Weichenstellung unter Erich Honecker ab 1971. Drei Hauptgründe waren ausschlaggebend:
Optimierung der Betonwerke: Die neu gebauten Plattenwerke produzierten die WBS 70-Elemente im Drei-Schicht-Betrieb im Akkord. Ein kontinuierlicher Abfluss dieser Massenproduktion war nur auf extremen Großbaustellen möglich, auf denen zeitgleich dutzende Blöcke hochgezogen wurden.
Die Logistik der Kranbahnen: Die Plattenbauten wurden im sogenannten Taktverfahren errichtet. Schwere Turmdrehkrane fuhren auf Schienen parallel zur künftigen Häuserzeile und setzten die gelieferten Wand- und Deckenplatten wie Legosteine zusammen. Es war wirtschaftlich um ein Vielfaches effizienter, den Kran kilometerweit geradeaus fahren zu lassen und hunderte identische Hauseingänge aneinanderzureihen, anstatt ihn abzubauen, zu transportieren und in engen Innenstädten neu aufzustellen.
Die Erschließung auf der „grünen Wiese“: Die historischen Innenstädte der DDR waren marode, eng und für Großbaustellen ungeeignet. Um die ambitionierten Ziele des Wohnungsbauprogramms (Beseitigung der Wohnungsnot bis 1990) zu schaffen, brauchte man riesige, freie Flächen. Unbebaute Äcker vor den Toren der Städte ließen sich am schnellsten mit zentraler Infrastruktur (Fernwärme, breite Straßen, Straßenbahntrassen) versehen.
Berlin (Ost-Berlin)
Berlin war das absolute Zentrum des DDR-Wohnungsbauprogramms. Für die rasant wachsende Hauptstadt wurden gigantische Komplexe aus dem Boden gestampft. Die WBS 70 wurde hier sogar architektonisch weiterentwickelt (z. B. als 11-geschossige Variante WBS 70-11 mit Aufzügen).
Leipzig
In Leipzig entstand ab 1976 das größte Plattenbauviertel Sachsens. Um die historische Altstadt zu entlasten, setzte man hier voll auf die WBS 70.
Halle
Halle besitzt mit der berühmten „Chemiearbeiterstadt“ eine der geschichtsträchtigsten Plattenbautraditionen. Obwohl die älteren Teile noch mit älteren Bautypen (wie dem P2) errichtet wurden, kam die WBS 70 bei den späteren Erweiterungen im ganz großen Stil zum Einsatz.
Dresden
In Dresden wurde die WBS 70 genutzt, um nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs im großen Stil modernen Wohnraum zu schaffen. Dresden zeichnete sich durch eine hohe gestalterische Vielfalt bei den Fassaden aus.
Erfurt
Erfurt war die Vorzeigestadt für den Plattenbau im südlichen Teil der DDR. In den 1970er und 80er Jahren wuchs die Stadt vor allem im Norden und Südosten massiv durch das System WBS 70.

Der Weg zur WBS 70 verlief über mehrere Entwicklungsstufen, bei denen das Gewicht der Bauteile (Laststufe) und der Grad der Vorfertigung immer weiter erhöht wurden:
Der Unterschied zur WBS 70: Alle diese Vorgängertypen waren im Vergleich zur WBS 70 noch zu teuer, materialintensiver (oft dickere Innenwände) und in der Herstellung unfflexibler. Erst die WBS 70 optimierte das Verhältnis von Betonmasse zu Wohnfläche perfekt.
Man muss hier klar zwischen der DDR-Zeit und der Nachwende-/Sanierungsphase unterscheiden:
Eine physische Umwandlung im Sinne eines Umbaus von alten Platten in neue Platten gab es in der DDR nicht. Stattdessen wurden die alten Bautypen produktionsseitig abgelöst. Sobald ein regionales Wohnungsbaukombinat (WBK) sein Betonwerk auf die WBS 70-Matrizen umgerüstet hatte, wurde die Produktion der alten Typen wie P2 oder IW 64 komplett eingestellt. Die alten Baustellen wurden fertiggestellt, neue Viertel wurden konsequent nur noch mit der WBS 70 geplant.
Hier ist die kompakte Zusammenfassung der baulichen Vorteile der WBS 70 vor und nach der Modernisierung:

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