WBS70 – Kosmos

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Wiege der WBS 70

Ballungsräume


Warum entstanden derartig große Ballungsräume mit WBS 70-Wohnungen?

Die Entstehung gigantischer Großsiedlungen auf der „grünen Wiese“ (wie Berlin-Marzahn oder Leipzig-Grünau) war das Ergebnis einer radikalen ökonomischen und politischen Weichenstellung unter Erich Honecker ab 1971. Drei Hauptgründe waren ausschlaggebend:

Optimierung der Betonwerke: Die neu gebauten Plattenwerke produzierten die WBS 70-Elemente im Drei-Schicht-Betrieb im Akkord. Ein kontinuierlicher Abfluss dieser Massenproduktion war nur auf extremen Großbaustellen möglich, auf denen zeitgleich dutzende Blöcke hochgezogen wurden.

Die Logistik der Kranbahnen: Die Plattenbauten wurden im sogenannten Taktverfahren errichtet. Schwere Turmdrehkrane fuhren auf Schienen parallel zur künftigen Häuserzeile und setzten die gelieferten Wand- und Deckenplatten wie Legosteine zusammen. Es war wirtschaftlich um ein Vielfaches effizienter, den Kran kilometerweit geradeaus fahren zu lassen und hunderte identische Hauseingänge aneinanderzureihen, anstatt ihn abzubauen, zu transportieren und in engen Innenstädten neu aufzustellen.

Die Erschließung auf der „grünen Wiese“: Die historischen Innenstädte der DDR waren marode, eng und für Großbaustellen ungeeignet. Um die ambitionierten Ziele des Wohnungsbauprogramms (Beseitigung der Wohnungsnot bis 1990) zu schaffen, brauchte man riesige, freie Flächen. Unbebaute Äcker vor den Toren der Städte ließen sich am schnellsten mit zentraler Infrastruktur (Fernwärme, breite Straßen, Straßenbahntrassen) versehen.

  • Hauptstandorte: Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen (zusammen das größte zusammenhängende Plattenbaugebiet Europas mit ehemals über 90.000 Wohnungen) sowie der Stadtteil Fennpfuhl in Lichtenberg.
  • Status heute: Die Bestände sind fast vollständig saniert. In Hellersdorf betreibt die Wohnungsgesellschaft Stadt und Land sogar eine originalgetreue „Museumswohnung WBS 70“, die im Zustand von 1986 besichtigt werden kann.
  • Hauptstandort: Leipzig-Grünau. Geplant für bis zu 100.000 Einwohner, war es eine der größten Reißbrett-Siedlungen der DDR.
  • Status heute: Nach massivem Leerstand und selektivem Rückbau in den 1990er und 2000er Jahren erleben die verbliebenen WBS 70-Blöcke in Grünau durch Sanierungen und moderat günstige Mieten heute wieder einen spürbaren Zuzug.
  • Hauptstandorte: Halle-Neustadt („HaNeu“) und die Großsiedlung Halle-Silberhöhe.
  • Status heute: Auch hier gab es starken Stadtumbau (Teilabriss). Viele der verbliebenen WBS 70-Bauten sind heute jedoch modernisiert und ein wichtiger Anker für bezahlbares Wohnen in der Region.
  • Hauptstandorte: Dresden-Gorbitz und Dresden-Prohlis.
  • Status heute: Gorbitz gilt heute als Paradebeispiel für gelungene Sanierungskonzepte (z. B. die „Kräutersiedlung“, bei der WBS 70-Blöcke durch Rückbau oberer Etagen und Terrassierungen stark aufgewertet wurden). Einige markante WBS 70-Gebäude in Dresden stehen mittlerweile sogar unter Denkmalschutz.
  • Hauptstandorte: Erfurt-Rieth, Moskauer Platz, Johannesplatz und Erfurt-Südost (Herrenberg/Melchendorf).
  • Status heute: Erfurt hat einen sehr hohen Sanierungsgrad vorzuweisen. Die WBS 70-Viertel sind gut durchmischt und eng an das moderne Straßenbahnnetz der thüringischen Landeshauptstadt angebunden.

Welche Plattenbautypen gab es vorher?

Der Weg zur WBS 70 verlief über mehrere Entwicklungsstufen, bei denen das Gewicht der Bauteile (Laststufe) und der Grad der Vorfertigung immer weiter erhöht wurden:

Der Unterschied zur WBS 70: Alle diese Vorgängertypen waren im Vergleich zur WBS 70 noch zu teuer, materialintensiver (oft dickere Innenwände) und in der Herstellung unfflexibler. Erst die WBS 70 optimierte das Verhältnis von Betonmasse zu Wohnfläche perfekt.

Wurden die alten Bautypen umgewandelt?

Man muss hier klar zwischen der DDR-Zeit und der Nachwende-/Sanierungsphase unterscheiden:

In der DDR-Zeit (Keine physische Umwandlung, sondern Ablösung)

Eine physische Umwandlung im Sinne eines Umbaus von alten Platten in neue Platten gab es in der DDR nicht. Stattdessen wurden die alten Bautypen produktionsseitig abgelöst. Sobald ein regionales Wohnungsbaukombinat (WBK) sein Betonwerk auf die WBS 70-Matrizen umgerüstet hatte, wurde die Produktion der alten Typen wie P2 oder IW 64 komplett eingestellt. Die alten Baustellen wurden fertiggestellt, neue Viertel wurden konsequent nur noch mit der WBS 70 geplant.

Hier ist die kompakte Zusammenfassung der baulichen Vorteile der WBS 70 vor und nach der Modernisierung:

Vor der Sanierungsphase (Die bauzeitlichen Vorteile der DDR-Platte)

Nach der Sanierungsphase (Die Vorteile der modernisierten Platte)

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